Die Graveure – eine Solinger Tradition mit überraschender Vielfalt ist im Wandel

Graveure sind spezialisierte, von Innovation getriebene Fachkräfte. Seit Jahren ist die Branche im Wandel. Der Blick in ein Solinger Unternehmen zeigt, was dies bedeutet.
Solingen. Wer bei Gravuren ausschließlich an Schrift in Schmuckstücken denkt, ist über-rascht, was die Graveurinnung Solingen-Wuppertal mit ihren zwölf Firmen alles liefert. So gibt es mehrere Unternehmen, die Stempel und Maschinen für die Markier- und Signiertechnik herstellen. Ein Unternehmen ätzt Edelstahlplatten mit Beschriftungen und Logos. Auch einige Beschriftungstafeln an der Korkenziehertrasse wurden dort hergestellt. In der Innung werden außerdem Prägewerkzeuge, klassische Stempel, Brennstempel und vieles mehr erzeugt.
Details schildert Innungs-Obermeister Stefan Krüth am Beispiel seiner Firma J. & F. Krüth GmbH in Solingen. Seit 1969 verbindet das Familienunternehmen innovative Technik und handwerkliches Können, um mit Technologien wie Ätz-, Laser-Ätz- oder 3D-Laser-Gravur Oberflächenstrukturen in Werkzeuge einzubringen.
Alles unter dem Motto „Wir sind innovativ. Aus Tradition.” Ihren heutigen Standort an der Stübbener Straße hat die Firma 1976 bezogen. Zudem hat die „J. & F. Krüth Laser- & Ätzgravur” weitere Werke in Solingen und in Pfedelbach (Baden-Württemberg) sowie Niederlassungen in Portugal und Österreich.
Eine Industrie im Wandel
Aktuell sind 65 Mitarbeitende bei Krüth in Solingen angestellt. „In guten Zeiten waren es auch schon mal über 80″, schildert Geschäftsführer Krüth. Aber mit der fortschreitenden Corona-Pandemie gab es einen deutlichen Umsatzeinbruch. Auch nach der Pandemie habe sich die Lage erst mal nicht verbessert.
„Wir arbeiten viel mit der Automobilindustrie zusammen, und während der Umstellung auf E-Fahrzeuge sind Produktgruppen weggefallen und viele Aufträge ins Ausland verlagert worden. Wir sind immer davon abhängig, wie viele Werkzeuge unsere Kunden in Deutschland bauen lassen, aus denen dann Kunststoffteile hergestellt werden. Aber diese Werkzeuge kann man eben auch in China oder in Südeuropa bauen lassen”, erklärt Krüth die angespannte Lage.
Innovation bis ins kleinste Detail
Zu den Auftraggebern zählen unter anderem Hersteller wie Ford, Mercedes, Volkswagen oder Audi. Um von solchen Unternehmen die Aufträge für Originalteile zu bekommen, musste zum Beispiel der Standort in Portugal eröffnet werden.
Krüth: „Viele Hersteller vergeben Aufträge im Paket. Wenn Werkzeuge einer Baugruppe in Deutschland und Portugal hergestellt werden, dann sucht sich der OEM (Original Equipment Manufacturer, die Red.) nur Lieferanten, die an beiden Standorten präsent sind, um die gewünschten Strukturen einzuarbeiten. Wir sind da ein wenig getrieben von unseren Kunden, aber unsere Niederlassung in Portugal ist mit sechs Mitarbeitenden überschaubar – aber immens wichtig.”
Wichtig ist auch die stetige Weiterentwicklung des eigenen Serviceportfolios. Eine der Stärken, die Krüth in der Branche und speziell in seinem Unternehmen sieht.
„Wir wollen und müssen innovativ sein. 2007 haben wir uns entschieden, vermehrt auf Lasertechnik zu setzen. Als es möglich wurde, dreidimensionale Oberflächen mit einem Laser zu gravieren, sind wir da direkt eingestiegen und haben Lasermaschinen gekauft. Heute haben wir einen Maschinenpark mit neun Lasermaschinen unterschiedlicher Größe.”
Es ist dieser Innovationshunger, der es ermöglicht, sich Trends und Bewegungen in der Branche flexibel anzupassen. Eine Stärke, die Stefan Krüth nicht nur in seinem Unternehmen sieht, sondern auch in den zwölf Firmen der Graveurinnung, denen er als Obermeister vorsteht.


